Worum geht es hier eigentlich?
Kürzlich wurden zwei kritische Sicherheitslücken in Microsoft SharePoint aufgedeckt, die derzeit große Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es handelt sich dabei um sogenannte „Zero-Day-Exploits“ – Sicherheitslücken, für die zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung noch keine Patches verfügbar sind:
CVE-2025-53770
CVE-2025-53771
Sie ermöglichen es Angreifern, die Authentifizierung vollständig zu umgehen und so ohne Anmeldedaten Zugriff auf Server und sensible Daten zu erlangen. Genau das macht sie so gefährlich.
Der technische Kern – einfach erklärt
Beide Schwachstellen hängen damit zusammen, wie SharePoint Anmeldedaten verarbeitet:
CVE-2025-53770 öffnet die Tür für die Remote-Code-Ausführung.
Konkret bedeutet das: Angreifer können von außen Befehle an Ihren SharePoint-Server senden – und der Server führt diese aus, ohne Fragen zu stellen.
CVE-2025-53771 ist eine Umgehung von Sicherheitsfunktionen.
Im Klartext: Die integrierten Abwehrmechanismen von SharePoint erkennen das Eindringen nicht – wie ein stiller Alarm, der niemals ausgelöst wird.
Zusammen ermöglichen diese beiden Schwachstellen Angreifern, die vollständige Kontrolle über das betroffene System zu erlangen.
Wie werden diese Schwachstellen ausgenutzt?
Die Angreifer konzentrieren sich auf die SharePoint-Anmeldeseite. Sie senden manipulierte Anfragen, die schädlichen Code als legitimen Datenverkehr tarnen. Das System erkennt die Bedrohung nicht.
Die Hacker:
Senden eine manipulierte Anfrage, die wie ein normaler Anmeldeversuch aussieht
nutzen die Sicherheitslücke aus, die den Server dazu verleitet zu glauben: „Alles in Ordnung, führe diesen Code ruhig aus!“
Erlangen Zugriff auf vertrauliche Daten oder Administratorrechte – ganz ohne Passwort
Wer war das Ziel – und warum ist das von Bedeutung?
Über 400 Organisationen weltweit sind bereits betroffen – darunter auch Einrichtungen mit höchsten Sicherheitsanforderungen wie die US-amerikanische National Nuclear Security Administration (NNSA), die für den Schutz des amerikanischen Atomwaffenarsenals zuständig ist.
Die Angreifer konzentrierten sich auf Regierungsbehörden, Forschungszentren, IT-Anbieter und andere Institutionen , die mit hochsensiblen oder strategischen Informationen umgehen.
Welche Daten wurden offengelegt – und welche Risiken bestehen?
Die Angreifer nutzten die kompromittierten SharePoint-Systeme, um kritische Informationen zu entwenden, darunter:
Vertrauliche Dokumente: Verträge, Strategiepapier, geschützte Geschäftsdaten
Sicherheitsrelevante Inhalte: darunter Protokolle und Verfahren zur nuklearen Sicherheit
Persönliche Mitarbeiterdaten: Anmeldedaten und Identitäten von Mitarbeitern
Das gesamte Ausmaß wird derzeit noch ermittelt. Die Art der gestohlenen Daten deutet jedoch auf schwerwiegende Risiken hin – von Wirtschaftsspionage bis hin zu Verstößen gegen die nationale Sicherheit.
Wie hoch sind die Schäden und der damit verbundene Aufwand?
Vorfälle wie diese führen oft zu Schäden in Millionenhöhe. Zu den direkten Kosten zählen forensische Analysen, der Wiederaufbau kompromittierter Infrastruktur sowie die Umstellung von Authentifizierungsmechanismen. Vergleichbare Vorfälle haben betroffene Unternehmen mehrere Millionen Euro gekostet – und dabei sind folgende Faktoren noch nicht einmal berücksichtigt:
Verlust des Vertrauens von Kunden und Partnern
Langfristiger Imageschaden
Behördliche Sanktionen gemäß den Datenschutzgesetzen
Warum konnten große Organisationen wie die US-Atomenergiebehörde dies nicht verhindern?
Zero-Day-Schwachstellen sind unbekannt, bis sie ausgenutzt werden – genau das macht sie so gefährlich. Selbst finanzstarke, sicherheitsbewusste Organisationen sind gefährdet, weil:
Es gibt keine Abwehrmaßnahmen gegen etwas, von dessen Existenz man nichts weiß
Zu diesem Zeitpunkt ist noch kein Patch des Herstellers verfügbar
Angreifer handeln schnell – oft schon innerhalb weniger Stunden nach der Entdeckung
Die Folge: Selbst die am besten vorbereiteten Systeme können unvorbereitet getroffen werden.
Wie können Sie sich schützen – und was unternehmen betroffene Unternehmen derzeit?
Zero-Day-Angriffe lassen sich nicht immer verhindern – aber ihre Auswirkungen können gemindert werden:
Sicherheitspatches sofort installieren (Microsoft hat Updates veröffentlicht)
Beschränken Sie den Zugriff auf Anmeldeportale – lassen Sie nur vertrauenswürdige IP-Adressen und Netzwerke zu
Verwenden Sie nach Möglichkeit die Multi-Faktor-Authentifizierung (2FA)
Nehmen Sie anfällige SharePoint-Instanzen vom Netz, wenn der Verdacht auf eine Kompromittierung besteht
Von dem Angriff betroffene Unternehmen reagieren wie folgt:
Überwachung der betroffenen Systeme auf ungewöhnliches Verhalten
Isolierung der kompromittierten Infrastruktur
Zurücksetzen aller Anmeldedaten und Sicherheitstoken
Untersuchung des Ausmaßes des Sicherheitsvorfalls mit forensischen Tools
Warum gibt es solche Sicherheitslücken?
Groß angelegte Plattformen wie SharePoint basieren auf Millionen von Codezeilen. Bei einem solchen Komplexitätsgrad sind Fehler unvermeidlich – selbst bei Anbietern wie Microsoft. Lücken bei den Tests oder übersehene Randfälle können zu schwerwiegenden Sicherheitslücken führen.
Und Angreifer wissen das. Zero-Day-Schwachstellen sind eine Goldgrube für Cyberkriminelle – sie werden für Diebstahl, Erpressung oder strategische Spionage genutzt.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Microsoft Security Response Center (MSRC)
CISA-Sicherheitshinweise
Tom’s Guide – Einfache Erklärung der Sicherheitslücken